Ausbildung oder "Der Vielseitigkeitssport"


Sicherlich gibt es sehr viele Arten, sich mit seinem Hund gemeinsam sportlich zu beschäftigen.
Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass der Hund gesund ist und bei der jeweiligen Sportart keine Schmerzen, aufgrund von Gelenkschäden oder anderen körperlichen Beschwerden hat. Zudem ist sicherlich nicht jede Rasse für jeden Sport geeignet. Darüber sollte sich der Hundeführer im Vorfeld genauesten informieren.
Meine Wahl viel dabei auf den "Vielseitigkeitssport für Gebrauchshunde", welcher früher "Schutzhundesport" genannt wurde.
An dieser Stelle mögen sich viele fragen wozu eine Privatperson ihren Hund zum "Schutzhund" ausbildet. Eine berechtigte Frage, auf die ich gerne antworte.

Der "Schutzhundesport" darf mit der Ausbildung der "Schutzhunde für das Polizeidienstwesen" nicht verwechselt werden. Zwar trägt auch der heutige Sport noch das kleine Wörtchen "Schutz" in sich, hat aber kaum noch etwas mit der Ausbildung, wie sie bei der Polizei oder dem Bundesgrenzschutz betrieben wird, gemein.
Um diesen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, wird diese Sportrichtung heute "Vielseitigkeitssport für Gebrauchshunde" genannt.
Leider werden, über diese Art der Hundeausbildung, immer wieder negative und meist unqualifizierte Äußerungen gemacht. Meist von Menschen, die sich nicht die Mühe machen, sich über die Art und Weise der Ausbildung zu informieren.
Aussagen, wie: "Die machen die Hunde doch scharf!" oder "Da werden die Hunde aggressiv gemacht!" sind schlichtweg falsch und zeugen von absoluter Unkenntnis!

Nun aber dazu, was den Schutzhundesport ausmacht: Der "sportlich" geführte Schutzhund wird in drei Abteilungen ausgebildet und kann eine Schutzhundprüfung bzw. Vielseitigkeitsprüfung nur bestehen, wenn er in jeder dieser drei Sparten befriedigende Ergebnisse erzielt.
Voraussetzung für die Teilnahme an VPG-Prüfungen ist die bestandene Begleithundeprüfung.
Es gibt die Prüfungsstufen VPG1-VPG3, wobei die Anforderungen an Hund und Hundeführer steigen.
Die drei Abteilungen sind gegliedert in: A=Fährte B=Unterordnung und C=Schutzdienst

1. Die Fährte

In der Fährtenarbeit kann der Hund seinen erstaunlich guten Geruchssinn einsetzen.
Dabei sucht der Hund die Fährte ab, die von einem Menschen getreten wurde und muss dabei Gegenstände, die er findet verweisen. Das bedeutet der Hund setzt, legt, oder stellt sich vor den gefundenen Gegenstand und verharrt in dieser Position, bis sein Hundeführer den Gegenstand an sich genommen und das Kommando "such" gegeben hat. Dann erst darf der Hund die Suche fortsetzen.
Der Geruch, dem der Hund folgt, entsteht durch die Bodenverletzung und den daraus resultierenden biologischen Abbauprozess.
Mit dem Fährten kann bereits im Welpenalter begonnen werden. Dabei ist es wichtig, dass der Hund eine positive Verknüpfung erlernt. 
Hierzu wird zu Beginn in jeden Fußtritt Futter gelegt. Der Hund verbindet nun den Geruch des verletzten Bodens mit Futter.
Später werden die Abstände der Futterbrocken verringert. Sucht ein Hund eine Gerade (Schenkel) konzentriert und mit tiefer Nase ab, können Winkel eingebaut werden.
Diese dürfen zunächst auch abgerundet sein, bis sie schließlich zu 90° Winkeln werden. Während des Trainings gilt es bei der Art der Winkel zu variieren.
Die Gegenstandsarbeit kann sowohl direkt auf der Fährte, als auch außerhalb gelernt werden. Hierzu muss der Hund die Verknüpfung Gegenstand = Verweisen = Futter lernen.
Fährtenarbeit ist wirklich Fleißarbeit und erfordert viel Geduld vom Hundeführer. Aber je intensiver sich der Hundeführer mit der Materie auseinandersetzt, desto früher wird er merken wie faszinierend diese Arbeit ist.

2. Die Unterordnung

Diese Abteilung ist sehr vielseitig. Neben der Freifolge und der Unbefangenheit in einer Gruppe von Menschen muss der Hund Kommandos wie "sitz", "platz" und später auch "steh" von seinem Hundeführer aus der Bewegung, direkt annehmen und ausführen.
Ein weiterer Punkt ist die "Ablage unter Ablenkung". Dabei liegt der Hund ca. 30m von seinem Hundeführer entfernt. Dieser hat sich bei der VPG3 sogar außer Sicht des Hundes aufzuhalten. Während der eine Hund in der Prüfung liegt, wird ein weiterer Hund auf dem Platz geführt. Dabei wird die Schussfestigkeit der Hunde geprüft.
Die Königsdisziplin der UO ist wohl das Apportieren. Hierbei soll der Hund auf das Kommando "bring" ein, vom Hundeführer geworfenes, Holz holen und mit Holz im Fang vorsitzen, bis es ihm mit "aus" abgenommen wird. Des Weiteren muss diese Bringübung auch im Sprung über eine 1m-Hürde und eine 1,80m-Schrägwand ausgeführt werden. Während der gesamten Übung soll der Hund das Holz fest im Fang halten und nicht "knautschen" oder "rollen".
Ein weiteres Kommando lautet "voraus". Dabei hat der Hund sich schnell und geradlinig vom Hundeführer zu lösen und sich auf "platz" hinzulegen.

 

3. Der Schutzdienst

Bei der Schutzhundausbildung kann der Hund seine natürlich angeborenen Triebe unter Kontrolle ausleben.
Im Schutzdienst nutzt man den Beutetrieb des Hundes. Er wird von Beginn an auf gewisse Reize konditioniert. Das bedeutet, er lernt Beute auf den Schutzärmel zu machen und seine Beute gegen den Schutzdiensthelfer zu verteidigen. Dabei sieht der Hund den Helfer als Konkurrenten, der ihm die Beute streitig machen will.
Zu Beginn eines Schutzdienstes steht die "Streife nach dem Helfer", wobei der Hund auf Kommando verschiedene "Verstecke" absuchen muss, bis er den Helfer gefunden hat.
Nun folgt das "Stellen und Verbellen", das bedeutet der Hund soll den "Scheintäter" drangvoll verbellen, darf dabei jedoch nicht in den Schutzärmel beißen. Er darf also keine Beute machen.
Nachdem der Hundeführer seinen Hund zu sich gerufen hat, begibt sich der Helfer aus dem Versteck und nimmt auf dem Platz Position ein. Der Hund wird in Laufrichtung vom Helfer in gewisser Distanz abgelegt und bewacht ihn. Der Hundeführer entfernt sich vom Hund, welcher den folgenden Fluchtversuch des Helfers vereiteln muss.
Es folgen verschiedenartige "Angriffe" auf den Hund, welche er abzuwehren hat. Dabei steht allerdings auch wieder der Beutetrieb im Vordergrund.
Zudem spielt der Gehorsam im Schutzdienst eine wichtige Rolle, denn der Hund muss auf Kommando vom Ärmel ablassen und ihn seinem Konkurrenten überlassen. Genauso soll der Hundeführer seinen Hund mit dem Kommando "fuß" vom Helfer wegnehmen können, ohne das dieser nochmals versucht seine Beute zu bekommen.
Daher wird der Schutzdienst oft auch "Gehorsam unter extremen Bedingungen" genannt!

Und noch einmal: Ziel ist es nicht den Hund gegenüber Menschen aggressiv zu stimmen!!! Bei richtiger Ausbildung finden Mensch und Hund zusammen einen sinnvollen Ausgleich zum Alltag!

 Hier ein Link zur Prüfungsordnung des VDH

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